nietzsche und sokrates

Sokrates gehörte, seiner Herkunft nach, zum niedersten Volk: Sokrates war Pöbel. Was führte ihn von einem Wege ab, der von Männern wie Aeschylus und Sophokles betreten war, und über dem die Sonne der Volksgunst leuchtete? Die absichtlich derbe und rücksichtslose Verurtheilung der Kunst hat bei Plato etwas Pathologisches: er, der sich zu jener Anschauung nur im Wüthen gegen das eigne Fleisch erhoben hat, er der seine tief künstlerische Natur zu Gunsten des Sokratismus mit Füßen getreten hat, offenbart in der Herbigkeit jener Urtheile, daß die tiefste Wunde seines Wesens noch nicht vernarbt ist. Dabei ist es sehr bedeutsam, daß dieser Prozeß in der Komödie zu Ende kommt, während er doch in der Tragödie begann. Abh., 7. Unglück aber, durch Rechenfehler herbeigeführt, ist bereits mehr ein Lustspielmotiv. - Im Rahmen der Kritischen Gesamtausgabe noch nicht abgedruckte Texte werden zitiert nach: F. Nietzsche, Gesammelte Werke, Musarion-Ausgabe (1922) (abgekürzt: MusA). Blind vielmehr und mit verhülltem Haupte stürzt er in sein Unheil: und seine trostlose aber edle Geberde, mit der er vor dieser eben erkannten Welt des Schreckens stehen bleibt, drückt sich wie ein Stachel in unsre Seele. Diese Stimme mahnt, wenn sie kommt, immer ab. Im Nebenwerk schuf er Dichtungen und musikalische Kompositionen. Oktober 1844 in Röcken;  25. Das aber, was Euripides mit Menander und Philemon gemein hat und was für diese so vorbildlich wirkte, läßt sich am kürzesten in die Formel zusammenfassen, daß sie den Zuschauer auf die Bühne gebracht haben. Ist das Musikdrama wirklich todt, für alle Zeiten todt? Um ganz unverhüllt zu sprechen, die Blüthe und der Höhepunkt des griechischen Musikdramas ist Aeschylus in seiner ersten großen Periode, bevor er noch von Sophokles beeinflußt wurde: mit Sophokles beginnt der ganz allmähliche Verfall, bis endlich Euripides mit seiner bewußten Reaktion gegen die aeschyleische Tragödie das Ende mit Sturmeseile herbeiführt. Als sie eintreffen, wird Aristodemos vom Gastgeber sogleich freudig begrüßt und gebeten, sich neben Eryximachos zu setzen. In ihr lebte die entartete Gestalt der Tragödie fort, zum Denkmal ihres überaus mühseligen und schweren Hinscheidens. Allmählich sprechen alle Personen mit einem solchen Aufwand von Scharfsinn, Klarheit und Durchsichtigkeit, so daß für uns wirklich beim Lesen einer sophokleischen Tragödie ein verwirrender Gesammteindruck entsteht. tragischen Zeitalter der Griechen, SGT = Sokrates und die Tragödie, WL = Über die Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne. Was sich erst beweisen lassen muß, ist wenig wert. ), Nietzsches Philosophie des Unbewussten, Berlin 2012, 11–30 Inspiriert von den Kupferstichen von Jacques Callot schreibt E. T. A. Hoffmann die Geschichte des wenig talentierten Schauspielers Giglio der die seltsame Prinzessin Brambilla zu lieben glaubt. In Sokrates hat sich jene eine Seite des Hellenischen, jene apollinische Klarheit, ohne jede fremdartige Beimischung, verkörpert, wie ein reiner durchsichtiger Lichtstrahl erscheint er, als Vorbote und Herold der Wissenschaft, die ebenfalls in Griechenland geboren werden sollte. Daß eine einzeln auftretende Person, Gottheit oder Heros, am Eingange des Stücks erzählt, wer sie sei, was der Handlung vorangehe, was bis jetzt geschehen, ja was im Verlauf des Stückes geschehen werde, das würde ein moderner Theaterdichter geradezu als muthwillige Verzichtleistung auf den Effekt der Spannung bezeichnen. Es ist uns als ob alle diese Figuren nicht am Tragischen, sondern an einer Superfötation des Logischen zu Grunde giengen. In diesen drei Grundformen des Optimismus ruht der Tod der pessimistischen Tragödie. Aber sie sprechen sich auch ganz aus, während die aeschyleisch-sophokleischen Charaktere viel tiefer und voller sind als ihre Worte: sie stammeln eigentlich nur über sich. Wer wird im Hinblick auf die sehr tief greifenden, hier nur angerührten unkünstlerischen Wirkungen des Sokratismus nicht dem Aristophanes Recht geben, wenn er den Chor singen läßt: "Heil, wer nicht bei Sokrates sitzen mag und reden mag, nicht die Musenkunst verdammt und das Höchste der Tragödie nicht verächtlich übersieht! genießt er als Unterdrückter seine eigne Ferozität in den[953] Messerstichen des Syllogismus? Der Dialektiker überläßt seinem Gegner den Nachweis, kein Idiot zu sein: er macht wütend, er macht zugleich hilflos. Ungleich günstiger muß von diesem Standpunkte aus unser Urtheil über die ältere aeschyleische Tragödie ausfallen: dafür schuf Aeschylus auch unbewußt sein Bestes. Das sokratische Bewußtsein und sein optimistischer Glaube an den nothwendigen Verband von Tugend und Wissen, von Glück und Tugend hat bei einer großen Anzahl der euripideischen Stücke die Wirkung gehabt, daß am Schlusse sich die Aussicht auf eine ganz behagliche Weiterexistenz, zumeist mit einer Heirath öffnet. Zwischen dieser epischen Vorschau und Hinausschau liegt die dramatisch-lyrische Wirklichkeit und Gegenwart. – Ehemals hätte man gesagt (– oh, man hat es gesagt und laut genug und unsre Pessimisten voran! Er leugnet die Weisheit gerade dort, wo ihr eigenstes Reich ist. Euripides suchte es eben besser zu machen als die von ihm beurtheilten Dichter: und wer nicht, wie er, die That hinter das Wort stellen kann, der hat wenig Anrecht darauf, sich öffentlich kritisch vernehmen zu lassen. Der eingedrungne Sokratismus in der Tragödie hat es verhindert, daß die Musik sich nicht mit dem Dialog und Monolog verschmolzen hat: ob sie gleich in der aeschyleischen Tragödie den erfolgreichsten Anfang dazu gemacht hatte. Im Nachdenken über diese Incongruenz zwischen dichterischer Absicht und Wirkung kam er allmählich auf eine Kunstform, deren Hauptgesetz war "es muß alles verständig sein, damit alles verstanden werden könne." Sollte er nicht ungerecht gegen Aeschylus und Sophokles gewesen sein? [951] Über das Leben haben zu allen Zeiten die Weisesten gleich geurteilt: es taugt nichts... Immer und überall hat man aus ihrem Munde denselben Klang gehört – einen Klang voll Zweifel, voll Schwermut, voll Müdigkeit am Leben, voll Widerstand gegen das Leben. Man muß sein Recht zu erzwingen haben: eher macht man keinen Gebrauch von ihr. – Was beweist das? —, Man kennt die außerordentliche Verehrung, welche Euripides bei den Dichtern der neueren attischen Comödie genoß. Voraussetzung für die Lehre des Übermenschen, ist die These, dass Gott tot ist. Die Dialektik erreicht fortwährend ihr Ziel; jeder Schluß ist ihr Jubelfest, Helligkeit und Bewußtheit die Luft, in der sie allein athmen kann. Das Verderben nahm seinen Ausgangspunkt vom Dialog. Bei ihm ist eine ethische Weisheit zu finden, daß ihr gegenüber der Sokratismus etwas vorlaut und altklug erscheint. Zwischen 1765 und 1785 geht ein Ruck durch die deutsche Literatur. Der Augenblick und der Witz sind seine höchsten Gottheiten; der fünfte Stand, der des Sklaven. Er faszinierte, indem er an den agonalen Trieb der Hellenen rührte – er brachte eine Variante in den Ringkampf zwischen jungen Männern und Jünglingen. Er führt demnach die tragische Kunst recht geflissentlich zusammen mit der Putzkunst und Kochkunst auf. Das Prachtgewand wurde gewissermaßen durchsichtiger, die Maske zur Halbmaske: die Formen der Alltäglichkeit traten deutlich hervor. War Sokrates überhaupt ein Grieche? In der Tragödie des Aeschylus und Sophokles, seiner älteren Zeitgenossen. Eine derartig zubereitete und aufgeklärte Masse war es, aus der die neuere Komödie geboren wurde, jenes dramatische Schachspiel mit seiner hellen Freude an verschmitzten Streichen. Jetzt konnte er auch den Mythus freier gestalten, weil er durch den Prolog jeden Zweifel über seine Gestaltung des Mythus heben konnte. Die Tragödie gieng an einer optimistischen Dialektik und Ethik zu Grunde: das will eben so viel sagen als: das Musikdrama gieng an einem Mangel an Musik zu Grunde. Überall, wo noch die Autorität zur guten Sitte gehört, wo man nicht »begründet«, sondern befiehlt, ist der Dialektiker eine Art Hanswurst: man lacht über ihn, man nimmt ihn nicht ernst. Während Platon das überlegene Individuum in den Dienst des Staates stellt, tritt Nietzsche für eine umgekehrte Rangordnung ein. Ich will oder kann hier nur ein Beispiel jener produktiven Kritik anführen, ob es gleich eigentlich nöthig wäre, jenen Gesichtspunkt an allen Differenzen des euripideischen Dramas aufzuweisen. Nur darf man bei dem Wort "Recensent" sich nicht von dem Eindrucke jener schwächlichen vorlauten Wesen bestimmen lassen, die unser heutiges Publikum in Sachen der Kunst gar nicht mehr zu Worte kommen lassen. Erstpostum machten ihn seine Schriften als Philosophen weltberühmt. Die Juden waren deshalb Dialektiker; Reineke Fuchs war es: wie? Jahrhundert ist die Familie Nietzsche in Sachsen als evangelisch dokumentiert. Er lädt Aristodemos ein, einfach mitzukommen, auch wenn dieser nicht eingeladen ist. Vor Sokrates lehnte man in der guten Gesellschaft die dialektischen Manieren ab: sie galten als schlechte Manieren, sie stellten bloß. Sollte er sich nicht geirrt haben? Reproduction in any form is strictly prohibited. Ernst Behler - 1989 - Nietzsche-Studien 18 (1):141. Euripides aber als Chorlehrer wurde unaufhörlich gepriesen; ja man würde sich getödtet haben, um noch mehr von ihm zu lernen, wenn man nicht gewußt hätte, daß die tragischen Dichter ebenso todt seien als die Tragödie. Nietzsche deutet mit einer phantasievollen Entstehungshypothese das schlechte und damit das ganze Gewissen als Krankheitserscheinung. Was trieb den begabten Dichter so sehr dem allgemeinen Strome entgegen? Das Wort des delphischen Gottes, daß Sokrates der Weiseste unter den Menschen sei, enthielt zugleich das Urtheil, daß dem Euripides der zweite Preis im Wettkampfe der Weisheit gebühre. Sokrates und Diogenes haben sich darin bewegt wie Fische im Wasser. – Wie? Das Letztere ist er noch in einem viel tieferen Sinne als bis jetzt angedeutet werden konnte. nach Regeln der Kunst zu Werke zu gehn, abzirkeln Zeil um Zeile, bemerken, denken, sehn, verstehn, belisten, lieben, schleichen argwöhnen, läugnen, hin und her erwägen. Es ist bekannt, wie mißtrauisch zuerst Sokrates gegen den Ausspruch des Gottes war. Plato kennt den Wahnsinn, der als Krankheit weniger ist als Vernunft, als gottgewirkt aber mehr – nur durch ihn kommen die Dichter, die Liebenden, die Philosophen zum Schauen des Seins. Der Tugendhafte ist der Glückliche." Euripides war ein einsamer Denker, gar nicht nach dem Geschmacke der damals herrschenden Masse, bei der er als mürrischer Sonderling Bedenken erregte. Man muß klug, klar, hell um jeden Preis sein: jedes Nachgeben an die Instinkte, ans Unbewußte führt hinab... Ich habe zu verstehn gegeben, womit Sokrates faszinierte: er schien ein Arzt, ein Heiland zu sein. – Und Sokrates verstand, daß alle Welt ihn nötig hatte – sein Mittel, seine Kur, seinen Personal-Kunstgriff der Selbst-Erhaltung... Überall waren die Instinkte in Anarchie; überall war man fünf Schritt weit vom Exzeß: das monstrum in animo war die allgemeine Gefahr. Nichts ist leichter wegzuwischen als ein Dialektiker-Effekt: die Erfahrung jeder Versammlung, wo geredet wird, beweist das. Die gleiche Art von Degenereszenz bereitete sich überall im Stillen vor: das alte Athen ging zu Ende. Es ist unanständig, alle fünf Finger zeigen. Sokrates.. — Wenn alles gut geht, wird die Zeit kommen, da man, um sich sittlich-vernünftig zu fördern, lieber die Memorabilien des Sokrates in die Hand nimmt als die Bibel, und wo Montaigne und Horaz als Vorläufer und Wegweiser zum Verständnis des einfachsten und unvergänglichsten Mittler-Weisen, des Sokrates, benutzt werden. 1871 "Hier ein Aufsatz, das zweite Stück eines grösseren, der langsam zum Druck kommt. Der Sokratismus verachtet den Instinkt und damit die Kunst. Es ist dies die ernsteste Frage unserer Kunst: und wer als Germane den Ernst dieser Frage [+ + +], Zwei öffentliche Vorträge über die griechische Tragödie. Es beruhe auf einer in der Frühzeit der Menschheit erfolgten Zurückwendung ihres Grausamkeitsinstinkts auf das eigene Ich, verbunden mit einer gegen den Urahn (als Gottheit) empfundenen Schuld. Der Verfall der Tragödie, wie ihn Euripides zu sehen glaubte, war eine sokratische Phantasmagorie: weil niemand die Weisheit der alten Kunsttechnik hinreichend in Begriffe und Worte umsetzen konnte, leugnete Sokrates und mit ihm der verführte Euripides jene Weisheit. Das Dasein ist in ihr etwas sehr Schreckliches, der Mensch etwas sehr Thörichtes. Bei der außerordentlichen Flachheit und Dürftigkeit des ethischen, gänzlich unentwickelten Denkens erscheint nur zu oft der ethisch dialektisirende Held als der Herold der sittlichen Trivialität und Philisterei. Und so ist es auch das, was z.B. Das wahre schöpferische Vermögen des Dichters wird von Plato, weil dies nicht die bewußte Einsicht in das Wesen der Dinge sei, zu allermeist nur ironisch behandelt und dem Talente der Wahrsager und Zeichendeuter gleich geachtet. und alle diese großen Weisen – sie wären nicht nur décadents, sie wären nicht einmal weise gewesen? Der platonische Sokrates ist für Nietzsche ein Vertreter der "Sklaven- und Herdenmoral“ und als solcher ein Verneiner des "Lebensprinzips“, der sich dem Willen zur Macht widersetzt. Das was für den Dichter das Höchste und Schwerste gewesen war, wurde vom Zuschauer gar nicht als solches, sondern als etwas Gleichgültiges empfunden. „Sie starb durch Selbstmord“. Selbst Sokrates sagte, als er starb: »leben – das heißt lange krank sein: ich bin dem Heilande Asklepios einen Hahn schuldig«. Die Vernünftigkeit wurde damals erraten als Retterin; es stand weder Sokrates noch seinen »Kranken« frei, vernünftig zu sein – es war de rigueur, es war ihr letztes Mittel. Kant und Nietzsche können uns bei der Beantwortung der Frage weiterhelfen. Er hat wirklich einige prosaische Fabeln, die ihm bekannt waren, in Verse gebracht, doch glaube ich nicht, daß er mit diesen metrischen Übungen die Musen versöhnt hat. Nietzsche beginnt mit Schopenhauer, den er als „unschuldigen Flötisten“ karikiert, der sich vergeblich an den bekannten – und laut Nietzsche komplett falschen – Grundsatz „neminem laede, immo omnes, quantum potes, juva“ klammert und damit seine Berechtigung als … Ich habe zu verstehn gegeben, womit Sokrates abstoßen konnte: es bleibt um so mehr zu erklären, daß er faszinierte. Sokrates war auch ein großer Erotiker. Was aber vom Prolog gilt, das gilt auch von dem viel berüchtigten deus ex machina: er entwirft das Programm der Zukunft, wie der Prolog das der Vergangenheit. Deshalb schrieb er einen Prolog als Programm und ließ ihn durch eine zuverlässige Person, eine Gottheit deklamieren. Auf décadence bei Sokrates deutet nicht nur die zugestandne Wüstheit und Anarchie in den Instinkten: eben dahin deutet auch die Superfötation des Logischen und jene Rhachitiker-Bosheit, die ihn auszeichnet. Der Prozeß, der in der sogenannten Stichomythie seinen Anfang genommen hatte, setzte sich fort und drang auch in die längeren Reden der Hauptspieler. Immerhin aber glaubte Euripides zu bemerken, daß während jener ersten Scenen der Zuschauer eine eigenthümliche Unruhe habe, das Rechenexempel der Vorgeschichte auszurechnen, und daß für ihn die dichterischen Schönheiten der Exposition verloren seien. Sehr junge Autoren lehnen sich auf gegen den belehrenden Charakter der - die damalige Geisteskultur beherrschenden - Aufklärung. Bei ihm wird der Instinkt zum Kritiker, das Bewußtsein zum Schöpfer. Viel verbreitet war in Athen die Meinung, daß Sokrates dem Euripides beim Dichten helfe: woraus man doch entnehmen kann, wie feinhörig man den Sokratismus in der euripideischen Tragödie heraushörte. Dieses Urtheil ist nur einer gegenwärtig verbreiteten Aesthetik zuwiderlaufend: in Wahrheit kann für dasselbe kein geringeres Zeugniß geltend gemacht werden, als das des Aristophanes, der wie kein andrer Genius dem Aeschylus wahlverwandt ist. (F. Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches, KGW IV, 2 … Man hatte im griechischen Alterthum ein Gefühl von der Zusammengehörigkeit beider Namen, des Sokrates und des Euripides. Von dem unendlich vertieften germanischen Bewußtsein aus erscheint jener Sokratismus als eine völlig verkehrte Welt; aber es ist anzunehmen, daß auch schon den Dichtern und Künstlern jener Zeit Sokrates mindestens sehr langweilig und lächerlich vorkommen mußte, besonders wenn er bei seiner unproduktiven Eristik noch den Ernst und die Würde einer göttlichen Berufung geltend machte. spät? Soll der Germane wirklich jenem entschwundenen Kunstwerk der Vergangenheit nichts anderes zur Seite stellen dürfen, als die "große Oper," ungefähr wie neben Herkules der Affe zu erscheinen pflegt? Waren sie vielleicht allesamt auf den Beinen nicht mehr fest? Mit ihr aber hatte der Hellene den Glauben an seine Unsterblichkeit aufgegeben, nicht nur den Glauben an eine ideale Vergangenheit, sondern auch den Glauben an eine ideale Zukunft. –. Es sollte vor allem an dem neuen Kunstwerk nicht das auszusetzen sein, was nach der platonischen Auffassung der Grundmangel des alten war: es sollte nicht Nachahmung eines Scheinbildes sein d.h. nach dem gewöhnlichen Begriff: es sollte für den platonischen Dialog nichts Naturwirkliches geben, das nachgeahmt worden wäre. Absicht der vorliegenden Arbeit ist es, Nietzsches Auseinandersetzung mit Sokrates in der Götzen-Dämmerung (1889) besonders hinsichtlich der Aspekte Sprache, Leib und Existenz nachzugehen. Wozu? Euripides ist der Dichter des sokratischen Rationalismus. Das Heraustreten steht außerhalb ihrer Kraft: was sie als Mittel, als Rettung wählen, ist selbst nur wieder ein Ausdruck der décadence – sie verändern deren Ausdruck, sie schaffen sie selbst nicht weg. Der besonnenen Gemüthsart widerstrebe eine so mannigfaltige und bunte Kunst, für die reizbare und empfindliche sei sie ein gefährlicher Zunder: Grund genug, die tragischen Dichter aus dem idealischen Staate zu verbannen. Sokrates wollte sterben – nicht Athen, er gab sich den Giftbecher, er zwang Athen zum Giftbecher... »Sokrates ist kein Arzt«, sprach er leise zu sich: »der Tod allein ist hier Arzt... Sokrates selbst war nur lange krank...«[956]. Schon vorher gab es ein Analogon in der Wechselrede zwischen dem Helden und dem Chorführer: aber hier war doch der dialektische Streit bei der Unterordnung des einen unter den anderen unmöglich. Sobald der Gott auf der Maschine erscheint, merken wir, daß hinter der Maske Sokrates steckt und Glück und Tugend auf seiner Wage in Gleichgewicht zu bringen sucht. Der Fanatismus, mit dem sich das ganze griechische Nachdenken auf die Vernünftigkeit wirft, verrät eine Notlage: man war in Gefahr, man hatte nur eine Wahl: entweder zugrunde zu gehn oder – absurd-vernünftig zu sein... Der Moralismus der griechischen Philosophen von Plato ab ist pathologisch bedingt: ebenso ihre Schätzung der Dialektik. Man muß nur den Muth haben, sich dies einzugestehn, man muß bekennen, um von Euripides ganz zu schweigen, daß auch die schönsten Gestalten der sophokleischen Tragödie, eine Antigone, eine Elektra, ein Oedipus, mitunter auf ganz unerträglich triviale Gedankengänge gerathen, daß durchweg die dramatischen Charaktere schöner und großartiger sind als ihre Kundgebung in Worten. Das Wesen des platonischen Kunstwerks, des Dialogs ist aber die durch Mischung aller vorhandnen Formen und Stile erzeugte Formlosigkeit und Stillosigkeit. Gerade hier aber berühren wir die glänzende und in die Augen fallende Seite der euripideischen Neuerung: das Volk hat bei ihm sprechen gelernt; das rühmt er selbst im Wettkampfe mit Aeschylus: durch ihn versteht es jetzt. Auch der göttliche Plato ist in diesem Punkte dem Sokratismus zum Opfer gefallen: er, der in der bisherigen Kunst nur die Nachahmung der Scheinbilder sah, rechnete auch "die erhabne und hochgepriesene" Tragödie—wie er sich ausdrückt—zu den Schmeichelkünsten, die nur das Angenehme, der sinnlichen Natur Schmeichelnde, nicht das Unangenehme, aber zugleich Nützliche darzustellen pflegen. Mit Sokrates schlägt der griechische Geschmack zugunsten der Dialektik um: was geschieht da eigentlich? Hildebrandt supplied a chronological analysis of Nietzsche's writ­ ings but ignored GT 15 and concluded that Nietzsche was for Socrates, but against Socratism. Dies ist sehr verwunderlich. Die Tragödie, aus der tiefen Quelle des Mitleidens entstanden, ist ihrem Wesen nach pessimistisch. Sie kann nur Notwehr sein, in den Händen solcher, die keine andern Waffen mehr haben. Der Dialog ist bekanntlich nicht ursprünglich in der Tragödie; erst seitdem es zwei Schauspieler gab, also verhältnißmäßig spät, entwickelte sich der Dialog. Der Held, der durch Grund und Gegengrund seine Handlungen vertheidigen muß, ist in Gefahr, unser Mitleiden einzubüßen: denn das Unglück, das ihn nachher dennoch trifft, erweist dann eben nur, daß er sich irgendwo verrechnet hat. Verworren ist er, wenn er den Thatbestand bespricht.". Man muß[951] durchaus seine Finger danach ausstrecken und den Versuch machen, diese erstaunliche finesse zu fassen, daß der Wert des Lebens nicht abgeschätzt werden kann. • Nietzsche will keine neue Moral, wie sie Sokrates, Platon und das Judentum vertraten, sondern fordert eine Loslösung von der Moral Kommentare zum Referat Nihilismus - Friedrich Nietzsche : Vernunft = Tugend = Glück heißt bloß: man muß es dem Sokrates nachmachen und gegen die dunklen Begehrungen ein Tageslicht in Permanenz herstellen – das Tageslicht der Vernunft. Als die Lust an der Dialektik die Tragödie zersetzt hatte, entstand die neuere Komödie mit ihrem fortwährenden Triumphe der Schlauheit und der List. rächt er sich an den Vornehmen, die er fasziniert? Selbst Sokrates hatte es satt. Und nun denke man sich einen ungeheuren Willen hinter einem so einseitigen Verstande, die persönlichste Urgewalt eines ungebrochnen Charakters bei äußerer phantastisch-anziehender Häßlichkeit: und man wird begreifen, wie selbst ein so großes Talent wie Euripides gerade bei dem Ernst und der Tiefe seines Denkens um so unvermeidlicher in die abschüssige Bahn eines bewußten künstlerischen Schaffens gerissen werden mußte. by Hildebrandt's monograph on Nietzsches Wettkampf mit Sokrates und Plato (Dresden 1922). War nicht vielleicht gerade seine Reaktion gegen den angeblichen Verfall der Anfang vom Ende? Diesen "unverständigen" Künstlern stellt Plato das Bild des wahren Künstlers gegenüber, des philosophischen und giebt nicht undeutlich zu verstehen, daß er selbst der Einzige sei, der dies Ideal erreicht habe, und dessen Dialoge in dem vollkommenen Staate gelesen werden dürfen. Vergiss die Peitsche nicht!“. Vor allem wird damit ein vornehmer Geschmack besiegt; der Pöbel kommt mit der Dialektik obenauf. I. Während Nietzsche ausgiebig über sein Verhältnis zu Platon und dem platonischen Sokrates geschrieben hat, finden sich Stellungnahmen zu den antiken Sophisten, zumal in seinen veröffentlichten Werken, beinahe gar nicht. Wer? Wo? Wenn aber Nietzsche dem Sokrates bescheinigt, daß er sich nur "ironice verheiratet" hat (F. Nietzsche: Zur Genealogie der Moral, 3. Am Beispiel des Sokrates, den er als kranken Niedergangs-Typen charakterisiert, vertieft sich Nietzsche in die Probleme der Dekadenz und Idiosynkrasie.Bereits in seiner noch im Banne Richard Wagners stehenden Frühschrift Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik hatte er sich mit der Zentralgestalt der griechischen Philosophie befasst und eine Kritik des Sokratismus formuliert. Endlich im Gefängniß versteht er sich, um sein Gewissen ganz zu entlasten, auch dazu, jene "gemeine" Musik zu machen. Alles ist übertrieben, buffo, Karikatur an ihm, alles ist zugleich versteckt,[952] hintergedanklich, unterirdisch. Sokrates und Nietzsche. Man könnte sagen, daß hier ein Beispiel vorläge, wie der Recensent zum Dichter werden könne. Denn das ist eben das Wunderbare jener ganzen Entwicklung der griechischen Kunst, daß der Begriff, das Bewußtsein, die Theorie noch nicht zu Worte gekommen war, und daß alles, was der Jünger vom Meister lernen konnte, sich auf die Technik bezog. Bei allen produktiven Naturen wirkt gerade das Unbewußte schöpferisch und affirmativ, während das Bewußtsein sich kritisch und abmahnend geberdet. Sokrates hat sich aber bis zu seinen letzten Tagen mit der Meinung beruhigt, seine Philosophie sei die höchste Musik. kommt, wenigstens der Gesinnung nach, jetzt zur Herrschaft. Leiden, E.J. CiteScore 2016: 0.05 SCImago Journal Rank (SJR) 2016: 0.100 Source Normalized Impact per Paper (SNIP) 2016: 0.119 Man mag nur einmal vergleichen, wie ganz anders die Helden Shakespe[a]re's dialektisiren: über allem ihren Denken, Vermuthen und Schließen liegt eine gewisse musikalische Schönheit und Verinnerlichung ausgegossen, während in der späteren griechischen Tragödie ein sehr bedenklicher Dualismus des Stils herrscht, hier die Macht der Musik, dort die der Dialektik. Der bürgerliche Mittelstand, auf den Euripides alle seine politischen Hoffnungen baute, kam jetzt zu Wort, nachdem bisher in der Tragödie der Halbgott, in der alten Comödie der betrunkne Satyr oder der Halbgott Sprachlehrer gewesen waren. – Man hat, als Dialektiker, ein schonungsloses Werkzeug in der Hand; man kann mit ihm den Tyrannen machen; man stellt bloß, indem man siegt. Aber der Verbrecher ist ein décadent. 6 The original manuscript, entitled Socrates und die Griechische Tragodie, has Angesichts von Leid und Unvollkommenheit könne die Welt nur durch das Ästhetische, die Kunst gerechtfertigt werden.

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